Bitte um vorläufiges Asyl für vertriebene Klostergemeinschaft Bat Nha - Unterstützung des Menschenrechtsausschusses des Europaparlaments
Am 16.12.2009 bat Bruder Thich Trung Hai der Klostergemeinschaft Bat Nha im Namen der 400 vertriebenen Mönche und Nonnen um ein vorläufiges Asyl in Frankreich für seine Mitbrüder und -Schwestern, bis ihre religiöse Übung und sozialen Arbeiten in Vietnam wieder möglich sind.
Der öffentliche Aufruf, der von der Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses des Europaparlaments Heidi Hautala unterstützt wurde, fand am Gebäude des Parlaments in Strassburg, Frankreich statt.
Ein Treffen zwischen den Vertretern der Klostergemeinschaft Bat Nha und den Vertretern des französischen Außenministeriums im Zusammenhang mit der Bitte um vorläufiges Asyl fand am 21.12.2009 statt. Eine Pressemitteilung wurde am 22.12.2009 entsprechend herausgegeben.
Die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit der Bitte um ein vorläufiges Asyl für die Klostergemeinschaft Bat Nha sind ausführlich von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und in den öffentlichen Medien berichtet.
Bericht von Human Rights Watch
Zeitungsbericht von The Guardian
Ihre Solidarität mit der Klostergemeinschaft Bat Nha und die Unterstützung für die Religionsfreiheit in Vietnam können u.a. mit Ihrer Unterschrift zum Ausdruck gebracht werden.
200 Buddhisten von Mob angegriffen
Bericht der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte e.V.
Bao-Loc – Frankfurt am Main (10. Dezember 2009) – Am 9. Dezember griffen erneut regierungstreue Schlägergruppen die buddhistische Pagode Phuoc Hue in der zentralvietnamesischen Stadt Bao Loc an, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Sie bedrohten das Leben und die Sicherheit des Abtes und der 200 Mönche und Nonnen, die Ende September aus dem nahelegenden Kloster Bat Nha vertrieben wurden und in der Pagode Schutz suchten. Die IGFM befürchtet, dass die insgesamt 400 Schüler des renommierten Zen-Meisters Thich Nhat Hanh in den nächsten Tagen auseinander getrieben werden. Die Menschenrechtsorganisation ruft Vietnam auf, die Gewalt gegen die Gemeinde einzustellen und ihren Wunsch auf ein Gemeinschaftsleben zu respektieren. Die IGFM appelliert ferner an die EU, sich entschieden für den Schutz der Buddhisten in Vietnam einzusetzen. Die neue EU-Außenministerin soll die betreffende Eilresolution des Europäischen Parlaments vom 26. November umgehend umsetzen.
Die Pagode Phuoc Hue und ihr Abt stehen nach der Aufnahme der vertriebenen Buddhisten des Zen-Meisters permanent unter dem Druck der Regierung. Der Angriff ihrer Schläger am 9. Dezember ereignete sich, nachdem einige Ausländer die Pagode besucht hatten. Rund 100 Rowdies unter Polizeischutz skandierten Forderungen nach einer Ausweisung des Abtes und der Buddhisten und machten Jagd auf sie. Der Abt soll die Vertreibung der rund 200 Novizen des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh zustimmen. Zwei Tage davor, lehnte das Amt für Inneres seinen Antrag auf vorübergehenden Aufenthalt für die Buddhisten ab.
Nach Information der IGFM befinden sich in der Pagode Phuoc Hue in der Provinz Lam Dong nur noch rund 200 der ursprünglichen dahin geflohenen 400 Novizen des Klosters Bat Nha. Die Hälfte der Sangha des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh hatte ihren Zufluchtsort Phuoc Hue in den letzten Wochen verlassen, um den unerträglichen Druck der vietnamesischen Behörden auf den Abt und ihre Glaubensgeschwister zu mindern. Sie fanden zwar Zuflucht in anderen Pagoden, werden aber auch dort verfolgt. Am 29. November hat die Polizei der Provinz Khanh Hoa 19 Nonnen der insgesamt 80 Novizen dieser Gruppe aus der Pagode Tu Duc vertrieben. Zurzeit droht rund 20 anderen Mönchen die Ausweisung aus der Pagode Tu Hieu in der Kaiserstadt Hue.
Trotz starker Einsätze der örtlichen buddhistischen Kirche bleibt die Regierung hart und will die Buddhisten aus Bat Nha auseinandertreiben. Obwohl Vietnam immer wieder beteuert, dass der Konflikt auf einem internen Streit der Buddhisten beruhe und die Regierung sich nicht einmische, glaubt die IGFM an eine zentral gesteuerte Kampagne gegen die Gemeinde des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh. In einem Schreiben vom 26. November, das der IGFM in Kopie vorliegt, ordnete die zentrale Regierungskommission für Religiöse Angelegenheiten an, Angehörige dieser Buddhisten-Gemeinschaft noch im Dezember 2009 einzeln in ihre Wohnorte zurückzuführen.
Der Konflikt der Behörde mit der Klostergemeinschaft des Zen-Meisters Thich Nhat Hanh hat einen politischen Hintergrund. 2006 suchte Thich Nhat Hanh nach 40jährigem Exil Vietnam auf. Bei seinem zweiten Besuch 2007 appellierte der Zen-Meister an die Regierung, endlich Maßnahmen zur Versöhnung des Volkes nach dem Krieg einzuleiten. Als Beispiele dafür schlug er die Einrichtung einer Gedenkstätte für die umgekommenen Bootsflüchtlinge und die Genehmigung der Pflege von Gräbern südvietnamesischer Soldaten vor*. Des Weiteren schlug er vor, Zeichen für Religionsfreiheit zu setzen, indem die seit 1981 verbotene Vereinigte Buddhistische Kirche Vietnams zugelassen und die Religionspolizei sowie die Regierungskommission für Religiöse Angelegenheiten aufgelöst werden. Als Reaktion darauf erklärte die Regierungskommission den Zen-Meister und seine Schüler zu politischen Gegnern und beschuldigte Thich Nhat Hanh, er habe bei seinen drei Besuchen gegen die Gesetze Vietnams verstoßen.
Anmerkung der Redaktion: Die 10 Vorschläge wurden dem vietnamesischen Staatspräsidenten beim Empfang im Präsidialamt am 05.05.2007 persönlich übergeben.
Resolution des Europaparlaments, 26.11.2009
Am 26.11.2009 beschloss das Europaparlament eine Resolution zu den Menschenrechten in Vietnam und Laos. Im Bezug auf die Unterdrückung der Religionsfreiheit in Vietnam, z.B. beim buddhistischen Patriarchen Thich Quang Do, bei den Christen und anderen Glaubensgemeinschaften wie Cao Dai und Hoa Hao, wird die Verfolgung der Klostergemeinschaft Bat Nha in zwei Punkten festgestellt:
[…]
C. in der Erwägung, dass am 27. September 2009 Hunderte von jungen buddhistischen Mönchen aus dem Kloster Bat Nha gewalttätig angegriffen und geschlagen wurden und ihr Kloster verwüstet wurde, während die staatlichen Stellen und die Polizei ihre Bitte um Hilfe ignorierten, dass andere Mönche, die Zuflucht im Tempel Phuoc Hue gefunden hatten, physischer Gewalt und Schikanen der Polizei ausgesetzt waren und dass die Mönche Gefahr laufen, von der Regierung mit der Begründung ausgewiesen zu werden, dass sie das Kloster Bat Nha ohne Genehmigung oder vorherige Registrierung besetzt hätten,
D. in der Erwägung, dass viele der Auffassung sind, dass der Angriff auf das Kloster im Zusammenhang mit dem Zehn-Punkte-Vorschlag für eine religiöse Reform steht, den Thich Nhat Hanh dem vietnamesischen Präsidenten Nguyen Minh Triet im Jahr 2007 vorgelegt hat,
Außerdem wird auf die Kontrolle der Religion und die Rolle der Religion zur Demokratisierung in Vietnam in der Resolution vom Europaparlament hingewiesen:
[…]
E. in der Erwägung, dass religiöse Gruppen von der Regierung genehmigt und von Verwaltungsausschüssen, die von der Regierung ernannt werden, beaufsichtigt werden müssen, und in der Erwägung, dass viele religiöse Organisationen mit einem Verbot oder der Verfolgung ihrer Mitglieder rechnen müssen, wenn sie von der Regierung unabhängig bleiben wollen,
I. in der Erwägung, dass wegen des Umstands, dass es keine unabhängigen Menschenrechtsorganisationen gibt, Kirchenführer oft die Rolle von Menschenrechtsverteidigern übernehmen und für mehr Toleranz und demokratischere Grundsätze kämpfen,
Das Europaparlament hat die gewaltsame Vertreibung von den Mönchen und Nonnen der Klostergemeinschaft Bat Nha sowie die zunehmend gespannte Lage nach den Aktionen gegen die friedliche buddhistische Gemeinschaft als einen klaren Verstoß gegen die Verpflichtungen zur Einhaltung international anerkannter Normen für Religionsfreiheit scharf verurteilt.
Die vietnamesische Regierung wird aufgefordert, alle Formen der Unterdrückung derjenigen einzustellen, die ihr Recht auf Meinungsfreiheit, Glaubens- und Religionsfreiheit sowie Vereinigungsfreiheit im Einklang mit den internationalen Menschenrechtsstandards und der vietnamesischen Verfassung ausüben.
Im konkreten Fall bzgl. der Klostergemeinschaft Bat Nha sollten alle Verfolgungen und Schikanen eingestellt werden, dass Mönche und Nonnen den Buddhismus gemäß der Tradition von Thich Nhat Hanh in Bat Nha und anderswo praktizieren dürfen.
Der Originaltext der Resolution auf Deutsch ist unter folgendem Link auf der Homepage des Europaparlaments veröffentlicht:
Originaltext der Resolution auf Deutsch, 26.11.2009





